Bundesfest 2006 vom 15. bis 17. September |
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Vor zehn Jahren gab sich Kaarst eine moderne neue Stadtmitte. Im Bürgerhaus (l.) tagt nicht nur der Stadtrat und politische Ausschüsse, dort werden auch Vorträge gehalten. Durch die Galerie gelangt man ins neue Rathaus.
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Kaarst. Mit der Autobahn 52 beginnt in der Kaarst die Boom-Zeit. Die Landeshauptstadt Düsseldorf ist Ende der 60er Jahre plötzlich nur noch zehn Autominuten entfernt. Das macht die Stadt für Pendler interessant. In knapp zehn Jahren, von 1961 bis 1970, verdoppelt sich die Einwohnerzahl auf 14 000. Nur drei Jahre später leben schon 20 000 Menschen in der Gemeinde Kaarst. "Bevor es die Autobahn gab, war vieles anders. Im Westen stand kein einziges Haus. Dort war reines Ackerland. Erst in den 60er Jahren ist dort gebaut worden", erinnert sich der stellvertretende Bürgermeister Heinrich Leßmann. Der 71-Jährige blickt vom Kirchplatz vor Alt St. Martinus auf die Giemesstraße. "Die gab es vor etwa 40 Jahren auch noch nicht, da wurden noch Kartoffeln gepflanzt. Und direkt vor der Kirche gab es mindestens drei Gaststätten."
Die Pfarrkirche Alt St. Martinus ist das älteste Bauwerk der Stadt. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde erstmals schriftlich 1146 erwähnt. Nach vielerlei Umbauten wurde sie von 1963 bis 1968 in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. "Und zwar durch Abriss bis auf die Grundmauern. Anschließend wurde sie sorgfältig restauriert und wieder aufgebaut", erläutert Leßmann. Nur der Kirchturm blieb stehen. Er wird auf das späte Mittelalter datiert.
1957 baute die Pfarrgemeinde St. Martinus einige hunderte Meter weiter ein erheblich größeres und moderneres Gotteshaus am Rathausplatz. Heute wird Alt-St. Martinus nur noch zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten genutzt. Trotz ihrer bescheidenen Größe zeigt die Kirche eine bemerkenswert aufwändige Gestaltung. Sie ist eine Basilika. Diese Form wurde in der römischen Zeit entwickelt.
In Kaarst gibt es eine lange kirchliche Tradition, die eng mit dem Schützenwesen verbunden ist. Die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft wurde wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gegründet. Erhalten ist die notarielle Urkunde einer großzügigen Schenkung der Pfarrangehörigen an die Bruderschaft. Diese sollte den Lebensunterhalt des Vikars sichern. Am 20. Januar 1452 schenkten die Pfarrangehörigen unter der Leitung des Pfarrers Mommeton aus Xanten dem Geistlichen der Bruderschaft 39,5 Morgen Land (98 750 Quadratmeter) und mehrere Renten. In diesem Vertrag wurde auch vereinbart, dass jeden Sonntag eine Messe abzuhalten sei bis heute. Die Urkunde liegt im Stadtarchiv Düsseldorf.
Hinter der Kirche war einst der Kirmesplatz. "Im nächsten Jahr wird dort zum Bundesschützenfest im September die Tribüne aufgebaut", verrät Leßmann. Dann kommen rund 35 000 Schützen nach Kaarst. Schräg gegenüber liegt an der Kaiser-Karl-Straße das Deutsche Haus. "Die Gaststätte steht unter Denkmalschutz. Im vergangenen Jahr wurden die alten Steine wieder freigelegt." Gerade im Sommer lädt der Biergarten der Gaststätte zum Verweilen ein.
"Früher befanden sich rund um Alt St. Martinus sechs Bauernhöfe", erinnert sich Leßmann. Gab es in Kaarst in den 50er Jahren noch rund 124 landwirtschaftliche Betriebe, sind es heute nur noch elf. Alle ereilte ein ähnliches Schicksal. "Wir haben Ackerland verkauft, damit wuchs das Dorf und die Höfe waren plötzlich mittendrin. Das aber störte die neuen Anwohner und wir bekamen Probleme mit dem Ordnungsamt", erinnert sich der 81-jährige Ferdinand Baumeister. So mussten der Husemeshof (heute Wohnsitz der Familie Wilms und Großküche mit Partyservice), der Maubishof (Gaststätte) oder auch der alte Robertzhof, der einst auf dem Gelände des heutigen Postgebäudes stand, ausgesiedelt werden.
Bis vor 14 Jahren hat Baumeister an der Mittelstraße seinen Hof im Alten Dorf betrieben. Er lebt mit seiner Frau in dem gut erhalten Vierkanthof, der den Namen seiner Vorfahren trägt. An der Tür hängt ein Wappen, das auch am Nikolauskloster zu finden ist. Die charakteristische Bauweise ist noch erkennbar: Torhaus, Haupthaus, Scheune und Ställe gruppieren sich zu einem geschlossenen Geviert. Teile des Hofes sind von einer hohen Mauer umgeben. "Vom Innenhof aus konnte man einst bis zur Bahnlinie Krefeld-Neuss schauen. Jetzt ist alles zugebaut", erzählt Baumeister. Die übrig gebliebenen Höfe, wie beispielsweise der Neuhof, der 1859 erbaut wurde, haben sich spezialisiert. "Wir verkaufen nicht nur landwirtschaftliche Erzeugnisse, sondern bieten auch Trampolinspringen, Feiermöglichkeiten in unserem Gewölbekeller oder richten Kindergeburtstage aus", berichtet Harald Langenfels. Er führt den Hof bereits in der vierten Generation.
Aus dem einst bäuerlichen Kaarst ist eine Kleinstadt geworden. Seit den 70er Jahren ist Kaarst aber nicht mehr so schnell gewachsen. Heute leben im größten Stadtteil rund 23500 Menschen, im gesamten Stadtgebiet mit den Ortsteilen Büttgen, Holzbüttgen, Vorst und Driesch sind es rund 42 200 Einwohner. Vor zehn Jahren bekam Kaarst eine neue Stadtmitte, wo sich nicht nur Handel und Dienstleistungen angesiedelt haben. Auch die Verwaltungsdienststellen im neuen Rathaus, das Gebäude der VHS Kaarst-Korschenbroich, das Albert-Einstein-Forum als Veranstaltungshalle, das Jugendzentrum Bebop oder das Sportzentrum der SG Kaarst sowie auch andere Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung sind dort zentral erreichbar. Ins Bürgerhaus und in die Rathaus-Galerie wird zu Vorträgen, Ausstellungen und Versammlungen eingeladen. Der künstliche Stadtsee mit seinen Skulpturen verleiht dem jungen Zentrum zudem einen mediterranen Charakter mit vielen interessanten Blickfängen.
Geschichte: Kaarst wird als "Karlesforst" erstmals im Jahr 1218 schriftlich in einer Urkunde erwähnt. Der Name Karl war in der Familie der fränkischen Könige gebräuchlich. Der berühmteste Spross der fränkischen Königsfamilie war Karl der Große. Es ist jedoch bis heute nicht bewiesen, dass Kaarst auf diesen Kaiser zurückzuführen ist.
Einkaufen: Der Kaarster Einzelhandel bietet ein Angebot, das sich dem überdurchschnittlichen Kaufkraftniveau anpasst. In vielen Geschäften beraten die Inhaber noch selbst den Kunden. Wirtschaftsförderer Dieter Güsgen freut sich derzeit darüber, dass es in Kaarst keine Leerstände von Ladenlokalen gibt. Zudem prägen große Marken wie beispielsweise Ikea den Standort über seine Stadtgrenzen hinaus.
Arbeitsplätze: Rund 7700 Arbeitsplätze weist Kaarst auf. Die Zahl der Beschäftigten in der Stadt, die Pendler, die zum Arbeiten in eine andere Stadt fahren, werden weniger. Noch stehen allerdings etwas über 11 000 Auspendler 5200 Einpendlern gegenüber.
Partnerstädte: Freundschaftliche Beziehungen bestehen zur nordfranzösischen Stadt La Madeleine und zur Stadt Perleberg in der Mark Brandenburg. Weitere Informationen zum Partnerschaftsverein Kaarst La Madeleine bei der Vorsitzenden, Ilse Vogel, 02131/60 10 63.
Vereine: Ob Brauchtum, Sport oder Sammelleidenschaft, fast immer findet man in Kaarst gleichgesinnte Menschen. Darüber hinaus sind viele Kaarster in karitativen und sozialen Vereinen engagiert. Die SG Kaarst ist mit über 2500 Mitgliedern der größte Sportverein, der zudem in der Stadtmitte über ein hochmodernes eigenes Sportund Gesundheitszentrum verfügt. Über 1000 Mitglieder zählt die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft, die nicht nur das Heimatfest organisieren, sich beispielsweise auch mit dem "Drei-Besen-Tag" oder dem Weihnachtsmarkt rund um Alt St. Martinus für die Gemeinschaft einbringen.
www.sg-kaarst.de
www.bruderschaft-kaarst.de
Naherholung: Der Kleine Kaarster See ist in den vergangenen Jahren konsequent zum Naherholungsgebiet ausgebaut worden. Die Wasserfläche steht als Freibad ausschließlich den Badegästen und Sonnenhungrigen zur Verfügung. Der große See ist Wassersportlern vorbehalten.
www.kaarster-see.de
Weitere Informationen bietet die Infobroschüre der Stadt. Sie ist im Rathaus kostenlos erhältlich.
www.kaarst.de
20.07.05
Von Heiko Mülleneisen (Text) und Uli Engers (Foto)
Stadtteil-Serie: Kaarst-Mitte - Vom dörflichen Kaarst zur modernen
Stadt
Rhein Kreis Neuss
Dieser Artikel stammt aus der Westdeutschen Zeitung vom 20.07.2005 mit freundlicher Genehmigung von Herrn Heiko Mülleneisen
Wir bedanken uns recht herzlich bei unseren Sponsoren, ohne die wir dieses Fest nicht ausrichten könnten. |